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1. Miscellaneons
mitt auffünchner Zeitung 9
2 M11191:
HARA
Fernsehen.
der
In
Mai=Nummer der „Süddeutschen
Monatshefte“ veröffentlicht Heinrich Bock,
augenscheinlich ein Mediziner, einen längeren Ar¬
tikel über „Fernsehen und Voraussehen“
der ausschließlich auf eigenen Beobachtungen und
Erfahrungen beruht. „Sollen solche Erscheinungen,“
meint Bock mit Recht, „wissenschaftlich verwertbar
sein, so brauchen wir vor allem eine genaue und
absolut nüchterne Wiedergabe einschlägiger Fälle.
Theoretische Spekulationen und phuntasievolle Aus¬
schmückungen müssen dabei ganz beiseite bleiben.
Wir müssen nur erfahren und womöglich nachprüfen
können, was von dem „Seher“ erlebt wurde und ol)
darauf Bezügliches gleichzeitig an anderem Orte oder
in späterer Zeit geschah. Nach meiner Ueberzeugung
ist die Zahl der Menschen, die gelegentlich solch:
Fernblicke tun, durchaus nicht gering. Allein ich wein
aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie leicht man
an diesen Dingen achtlos vorbeigeht. Man muß durch
Hinweis oder Erlebnis erst einmal auf sie auf erk¬
sam geworden sein, dann wird man sie in der Folge
vielleicht gar nicht so selten feststellen können.“
Ausdrücklich betont Bock, daß es sich bei seinem
Voraussehen niemals um Vorstellungen gehandelt
habe, die ihm aus der Situation heraus nahegelegen
hätten. „Entweder zeigten sich mir unversehens
Bilder von zum Teil noch dunkler Bedeutung, oder
sich mußte plötzlich zu mir selbst sprechen, so jedoch,
daß ich das Gesprochene zu vernehmen schien. Oft
lhabe ich, wenn ich auf solche Weise etwas zu mir
ssagte, was ganz außerhalb meines momentanen
Gedankenganges lag, darüber gelacht und mich über
den Widerspruch mit den Tatsachen gewundert, und
nach Jahren ist es doch eingetroffen.“
Aus der Zahl der von Bock berichteten Fälle sei
Er verblüfsendste, der übrigens an eine vielgelesene
und vielgepriesene Novelle Schnitzlers anklingt,
der wiedergegeben: „Eines Tuns källt ein Herr zu
#ir, den ich nie zuvor gesehen hatte. Bevor ich mit
in sprach, soh ich, daß er in einem braunen Sarg lag
[und ich ihm eine rote Nelke übergab. Das Bild war
lobsolut deutlich, aber so rasch verschwunden, daß ich
sehm keine weitere Beachtung schenkte. Ich nahm die
Anamnese auf, untersuchte den Patienten und sand,
daß er wohl leidend, aber keineswegs schwer krank
war. Die Behandlung erfolgte ambulant und bald
war der Patieut genesen. Lange Zeit danach — ich
hatte das Gesicht beinahe vergessen — wurde ich wieder
zu ihm gerufen. Er war akut erkrankt, die Krankheit
nahm ihren normalen Verlauf und er schien allmäh¬
lich vollkommen zu genesen. Ich stellte die Besuche
ein und bat ihn, sich gelegentlich in der Sprechstunde
sehen zu lassen. Beim Weggehen ersuchte er mich
aber, in den nächsten vierzehn Tagen hie und da nach
ihm zu sehen, wenn ich gerade vorbeikäme, da er
doch vormittags immer zu Hause sei. Etwa acht bis
zehn Tage danach fiel mir auf einmal die Sache mit
der Nelke ein und ich sagte zu mir, jetzt soll der Herr“
seine Nelke lebend bekommen und war förmlich froh
darüber. Ich kaufte eine rote Nelke, ging ganz sidel
zu dem Patienten, läutete, trat diskret ins Wohn¬
zimmer und wollte die Nelke überbringen. Aber wie
erschrak ich, als ich ihn i jenem brannen Sarge sand,
worin ich ihn gesehen hatte! In der vorhergehenden
Nacht hatte ein Schlagonfall seinem Leben plötzlich
ein Ende gemacht. Ich war so verblüsst, daß ich.
oyne es zu wollen, dem Toren die Nelke in die Handst
steckte.“
Man muß es zugeben: Die Erzählung ist in der
KTat verblüssend und regt zum Nachdenken an.
———
Ausschnitt ausgoner Allgemeine Zeitung, Wien
vom:
f1.19
(Schnitzler in der k. u. k. Familien=Fideikommi߬
Bibliothek.] Der Kaiser hat die Werke „Die Hirtenfläter
von Artur Schnitzler, „Ein Bilderbuch aus dem ltetz
Wien“ von A. F. Seligmann, „Fahrten in den Reichs
landen“ von Hauptmann Robert Michel und „Oesterreichisch
Zeiten und Charaktere“, herausgegeben von Max Mel
sämtlich aus dem Deutsch=österreichischen Verlag, für die k. u. k
Familien=Fideikommiß=Bibliothek angenommen.