I, Erzählende Schriften 8, Die Toten schweigen, Seite 35

8. Die Toten schweigen
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Dilda Wegners wird einem wohl doch nicht so leicht
aus dem Ohre gehen, und wiederholte man sich auch
noch so oft, daß man bisher nie von ihr hörte, daß
nur
ihr Hörerpublikum dem und kleingeistig war, da
wenige Jahrgänge des Bühzen=Amanochs und
auch diese nur tärglich von ih berichten, und daß
sie im übrigen eine weißhaarige, reife Dame
sei, die eine recht alltägliche Provinzmimen¬
Laufbahn (in Zwickau, Ulm, Reval, Posen usw.) bereits
hinter sich habe und also kaum mehr Karriere machen
werde. Die eigentümlich berührende Tatsache, daß
diese beseelte Wildgans=Sprecherin lant Bühnenjahr¬
buch auch mal von Berlin aus eine Operettentournee
nach Argentinien machte, kann zur Erkenntnis ihrer
erade heitragen, könnte
künstlerischen Brbung n
Pten Zeitung,
höchstens nur Frefichten.
Ein Wildgans=Abend e ligos Programm,
noch auch literarisches Expermnent, jedenälls aber
künstlerischer Ausweis für einen gediegenen und nie
baualen Geschmück, kein Wagnis, aber auch kein
Dienern vor bequemen Justinkten und Lüsten, breiten
Begehrlichkeiten, Sensations=, Kitsch= und Effekten¬
süchten des Pubsikums. Aber immerhin doch ein
weises, reifes Erfassen aller Wirlungs= und Ein¬
wirkungsmöglichkeiten vom Podium aus, ein kluges
Erkennen der Rezitier=Möglichkeit, ja — Nütz¬
lichkeit gerade dieses Dichters, der die alte edel¬
klassische Form seiner Sprache mit ganz modernem Geiste,
brennend zeitgemäßen Lebensproblemen, einer neuzeit¬

lichen Seele erfüllt.
Die Wahl der Gedichte, die Hfider Wegner in gutem
Verhältnis ihrer Stimmgebung und Formung „alter
Schule" zu neuzeitlichem Geist und modern=leiden¬
schaftlicher Beseelung des Stoffes sprach, zeugte
nicht nur von allgemein gutem oder gebi##etem
Geschmack, sondern geradezu von seltener Geschmucks¬
tiefe. Rein und warm, allgütig, unendlich er¬
barmungsvoll, seelengroß, leidenschaftsglühend trat
das Bild des großen österreichischen Dichters vor
die Seele des Hörers, der jener völlig hingegebenen
Interpretin willig lauschte. Die Verzweiflung, das
Schluchzen einer Narrenseele ließ sie noch in dem
tollen, bunten Lustigsein der „Harlekinade“ untertönen,
mit weiser, wissender Welterfahrung — die nur ganz
selten etwas allzu lehrhaft — durchtränkte sie andere
Dichter=Stimmungen und Erlebnisse. Die „Liebes¬
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nacht", „Junge Bäuerin“ (ein kraftvolles, jugendlich¬
starkes, sonniges Bild), „Letzter Wille" und das
temperamentsprühende „Lied des Schmarotzers“. Daß
einerseits die starke Eindringlichkeit ihres Vortrag####
zuweilen zu überdeutlicher Unterstreichung führte
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andererseits ihre erregt überhastete Gestaltung des
gewaltigen „In Memoriam“ (eines glutvollen, des
einzigen wertvollen Aufklärungsfilms) manche scharfen
Konturen verwischte, sei ihr angesichts dieses ganzen
prächtigen Vortragsabends nicht angekreidet. gt.

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box 1/6
10 Pfg.
Konzertdirektion Hermann Wolff & Jules
Berlin W. 9, Linkstrasse 42
Klindworth-Scharwenkasaal, Lützowstr. 76.
Mittwoch, den 18. Oktober 1916
abends 8 Uhr:
I. Vortragsabend
oesterreichischer Dichter
Der.
ReNt
4-
PROGRAMM:
I. Weissagung aus dem Jahre 1884
auf den heutigen Tag . . . Robert Hamerling.
## #-#rmer.
II. a) Das Lächeln
b) Die Lahmen. Anton Wildgans.
c) Herbstfrühling
III. Die Toten schweigen!.... Arthur Schnitzler.
Rainer Maria Rilke.
IV. Die Blinde
(Zwiegespräch des Fremden mit der Blinden).
V. Wie die kleinen Kinder kommen.. Hugo Salus.
VI. Der Sänger vor dem König .... Pelir Salten.
Karten zu 4, 3, 2 und 1 Mk. bei A. Wertheim, Leipziger Strasse 132-135 und
Tauentzienstrasse 7b, bei Bote & Bock, Leipziger Strasse 37 und Tauentzien¬
strasse 7, sowie an der Abendkasse.