II, Theaterstücke 11, (Reigen, 0), Reigen. Zehn Dialoge, Seite 1155

11. Reigen
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BERLIN SO 16, RUNGESTRASSE 22-24
Noerscf-Tnfirt
Berlin Morgenausgabe
Ausschnitt aus der Nummer vom: 1. 1326
Italienische Theaternotizen.
D' Annunzio und Schnitzler.
Rom, im März.
Die Mailgüder Scala hat jetzt ihre große Sai¬
son. Toszalni ist von seiner Amerikas
Tournee rügekehrt, und nach einer wohl¬
gelungenen Wiedergabe der „Kovantchina“ von
Mussorgski fand dieser Tage die mit großer Span¬
nung erwartete italienische Uraufführung des
des heiligen Se¬
„Martyriums
bastian“ von D' Annunzio mit der Begleit¬
musik von Debussy statt. Das Werk, das vor
fünfzehn Jahren entstanden und zum ersten Male
im Chatelet in Paris aufgeführt wurde, ist völlig
umgearbeitet und stark gekürzt worden; von den
fünf „Stationen“ des Originals sind nur noch vier
übriggeblieben. Die Aufführung an der Scala
mit Ida Rubinstein in der Titelrolle und
einigen der hervorragendsten Mitglieder der Com¬
médie Francaise gestaltete sich zu einem Theater¬
ereignis allerersten Ranges. Die Stabführung hatte
Toscanini. D'Annunzio, der der Aufführung in
Generalsuniform beiwohnte, war Anlaß patrioti¬
scher Kundgebungen. Der Applaus, der den Werke
galt, scheint den Berichten der Presse zufolge
veniger groß gewesen zu sein. Recht amüsant und
bezeichnend für die heutigen Theaterverhältnisse
in Italien ist folgendes. Das Werk wurde schon
seinerzeit 1911 von den Erzbischöfen in Paris und
Mailand auf den Index gesetzt, und die Diözese
von Mailand erinnerte dieser Tage erneut daran,
daß es allen Katholiken auf Grund des kanonischen
Rechtes verboten sei, den Aufführungen des „Mar¬
yriums“ von D'Annunzio beizuwohnen. Aber das
genügte noch nicht. Am Tage der Aufführung in
der Scala fand in der Mailänder Kirche San
Raffaele eine heilige Funktion statt, eine „funzione
reparatrice“, um die gekränkte Gottheit zu ver¬
söhnen.
In Rom, im Theater Bragaglias, erlebte dieser
Tage Schnitzlers „Reigen“ (Girotondo) die ita¬
lienische Uraufführung. Schnitzler, der doch sogar
schon ins Japanische übersetzt worden ist, ist in
Italien bisher wenig bekannt. Um so anerkennens¬
werter die Leistung Bragaglias, der von jeher be¬
nüht war, moderne ausländische Autoren dem ita¬
lienischen Publikum zu vermitteln. Bragaglia ver¬
teht es meisterhaft, auf seiner kleinen Experimental¬
bühne mit bescheidensten Hilfsmitteln eindrucksvolle
und künstlerisch=stilvolle Wirkungen zu erzielen.
Weniger glücklich ist er in der Zusammenstellung
seines Ensembles. Die schauspielerische Wiedergabe
war durchaus unzureichend, und das ganz auf den
Dialog gestellte und nur vom Dialog aus zu spie¬
ende Stück versank in der Monotonie eines
nnancenlosen und gleichförmigen Spiels. Aner¬
kennenswert immerhin die graziöse und leichte Art,
nit der über die für hiesige Begriffe besonders
gewagten Stellen hinweggespielt wurde. Daran
hätte auch Professor Brunner keinen „Anstoß“ ge¬
nommen. Die Aufnahme des Stückes war, wesent¬
lich infolge der matten schauspielerischen Wieder¬
gabe, recht schwach und die Kritiken der Presse
dementsprechend. Trotz dieser dezenten und unan¬
stößigen Wiedergabe wurde das Stück wenige Tage
ach der Erstaufführung verboten.
gestohlene Stra¬
Die an der Mailänder Scala
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