II, Theaterstücke 9, (Der grüne Kakadu. Drei Einakter, 2), Die Gefährtin. Schauspiel in einem Akt (Der Wittwer), Seite 6

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Gefaehrti
9.2. Die asgasassan
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schi von uns verlangt wird, vermögen wir nicht zu leisten,
es sogar
r gerade solgern wir geneigt wären, dem Verfasser in die mystisch-sym¬
bolischen Dämmerungen zu folgen, die er hinter den greif¬
Dichters
leiden=baren Geschehnissen der äußern Handlung, zumal rings um
ösungen“] Die antipathetische Gestalt der Titelhelden heraufsteigen lassen
hren der fmächte. Denn das gerade macht dieses Stück so peinlich und
Dramaunerträglich: es verstrickt sich ganz und gar in seinen Appa¬
achträg= rat, es bleibt Sklave, wo es Herr sein will, es verscherzt sich
bhand- durch die Ueberladungen und die gewollte Verrohung der sinn¬
Vorboten lichen Handlung alle geistige Durchsichtigkeit. Der „Mit¬
bezeich- mensch“ selber erscheint uns am Ende nicht als ein Befreier
schen und und Erlöser des reinen, stolzen Künstlertums in dem geliebten
Moral= Bruder, sondern nur als ein Henkersknecht; unser Mitleid
stt, es ist und unsere Teilnahme fallen ganz wo anders hin, als Deh¬
s zu ent= mel möchte. Alle Achtung vor ihm muß sich diesmal darin er¬
Bühne des schöpfen, möglichst schnell den Vorhang über seine dramatische
eine zu- Verirrung fallen zu lassen.
Eine Reihe von Abenden galt Neueinstudierungen von
mit ro¬
kte Mord- Stücken aus den neunziger Jahren. Ein Jahrzehnt schon
der väter- reicht heutzutage aus, um einen Autor auf der darbenden
imerikani= Bühne Klassikerehren genießen zu lassen. Da wurde vom Lei¬
genialen singtheater Hauptmanns „Hannele“ (mit Ida Orloff
hn ihm er= in der Titelrolle und Heinz Monnard, dem aus München zu
von den uns zurückgekehrten, als Lehrer Gottwald) neu aufgeführt,
seliebten sol ohne daß mehr als eine Mitleidswirkung dabei herauskam; da
u= wurde an demselben Abend und in demselben Hause Arthur
[Schnitzlers=Gefährtin“ aufgeführt, ein an feinen,
driglichen Reflexionen reicher Einakter, aber
ein Stück ohne dramatischen Nerv und Entwicklungstrieb.
=Wäre der Darsteller des alternden Arztes, der erst nach dem
sagt er Tode seiner ungetreuen Frau erfährt, daß er seinen alles ver¬
hs zerstörte zeihenden Edelmut an eine Unwürdige verschwendet hat, nicht
mische Be=[Oskar Sauer gewesen, dieser menschlich reifste, geistig und
des „Mit= seelisch geläutertste aller modernen Schauspieler Berlins, die
den Ver- Wiedererweckung hätte sich nicht gelohnt. Auch Otto Erich
der Rach-[Hartleben, dem früh Dahingegangenen, wurde ein spätesl
Telephon 12.301.
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Leidenschaft
Trilogie der
Premièren im Lelling-Theater
Schwermut am Abend
Durch der Dämmerung ichwammiges Grau zucken die
(eriten Strahlen der Lampe. Wolkige Gleticher überlagern
sich ichwer am Himmel. In lteigenden Nebeln ertrinkt
fern ein Ichmaler Streifen Rot. Der Einlamkeit Rielen¬
schatten enffalten lich (Adagien der Sehnlucht). Die holde
Bieglamkeit eines Verles wird Rhpthmus aller Erlebnille:
in einem feierlichen Akkord verlchwifern lich Traum und
Tod. Und einem rot verfließenden Sonnenuntergang
gegenüber führt ein Sterbender die Fläte an die Lippen:
mit den Tönen verliegt lein Leben. So endet Arthur
Schnitzlers Puppenlpiel vom tapferen Callian. Laft und
Schwere wird zum leichten Gewinde: ein myltilches;
Vacuum laugt alle Geräulche ein. Die Schlacht ist längst!
geschlagen: Ichwer vom Traum blickt der Dichter über
das Feld. Irgendwo aus einem Abgrund lteigt der Masken¬
zug der Kämpfer empor und entgleitet geräuschlos in der
Abende ichwermütige Dämmerung: in einer Landichaft:
hold von Abendröten und heiter-trüben Gärten.
Tragödie
Arthur Schnitlers Gefährtins ichreitet auf dem
gefahrvollen Grat zwilchen Bewußtem und Leidenschaftlich¬
Dunklem. Einer lucht das Gärend-Treibende durch die
Vernunft zu bewältigen und verlpielt. Verlpielt mit dem
Eclat eines Bürgers, der unter lärmvollen Moralismen
eden Schänder leiner Ehreg zur Tür hinausweilt. Ein.
paar wülte Ausbrüche: dann laugt die Einlamkeit alles
auf. Das Gelchehen ilt mehr der Vorwand für einen
Monolog. Der Sprecher war Oskar Sauer, der Herr¬
lichlten Einer.
Er ist die bunte Seele der Gezeichneten, der Tröster
der poêtes maudits. Er ilt das Einfache, das aus den
farbigen Strahlen der Welt zulammenfliellt. (Seine Nähe
hat die tröltende Belchwichtigung mörikelcher Nachtlieder:
Gelaffen Rleigt die Nacht-ans Land, lehnt träumend an
der Berge Wand; ihr Auge lieht die goldene Wage nun
die Nacht in gleichen Schalen Itille ruhn.) In der ,Ge¬
fährting ilt er ein arbeitlamer Profellor. Wie wullte er
in dieles Lebens Enge die Gewalten des großen Leidens
zu entbinden! Erlchütternd, wenn von dielem tief in lich
Verlunkenen die Worte gleichlam abblättern, ohne daß
Klang und Sinn ihn berührt, Jedes Wort ein Bekenntnis,
ohne Lärm und Pathos. Und nun bricht alles Verhaltene
ums: nichts mehr bleibt als eine zornige Stimme, die den
Verführer hinausweist. Dann ein Rummes Zulammen¬
linken, ein paar belangiole Worte, froltig und unnahbar.
Er wird schlafen gehn.
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amen erichs