II, Theaterstücke 5, Liebelei. Schauspiel in drei Akten, Seite 321

Liebelei.
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5. Lagmau
keit zu besitzen, ihr Ethos zu erfassen, denn was sie hätt' mich am liebsten vor ihr auf die Kuie nieder= vergällte
will, ist nicht der Zusammenklang zweier Seelen, ihr geworfen, sie um Verzeihung zu bitten, daß ich sie so Vorwand
genügt schon die bloße Verwandtheit von Neigungen, gut behütet hab' vor allen Gefahren — und vor allemI natürlich
auch wenn diese vorübergehen.
Glück!“ So ruft der Alte schmerzbewegt, und mitInstiuch
einer Wendung zu der anklagenden Frau fügt er] Gefahr.
Ob in dieser Erklärung das Wesen der „Liebelei“
hinzu: „Was hat denn so ein armes Geschöpf schließ= die Ahun
erschöpfend dargestellt ist für den, der von der Sache
lich von dem ganzen großartigen Bewußtsein seiner
bisher noch nie gehört? Ich glaube es nicht. Den
ihm hätte
Tugend.
Wienern aber ist der dem Worte zu Grunde liegende
Er kehrt
Sinn so durchaus geläufig, daß ein junger Schrift¬
Das ist eine gar gefährliche Moral, die da ge= Christine,
steller, Arthur Schnitzler, es unternehmen konnte, predigt wird, wenn hier von Moral überhaupt noch willen.!.
denn das
daraufhin ein Theaterstück zu bauen, das sogar an die Rede sein kann. Das schmälert jedoch nichts an
der vornehmsten Wiener Bühne, dem Hofburgtheater,
hab' was
dem psychologisch Bemerkenswerthen, das in der
gestorben
mit starkem Erfolg zur Aufführung gekommen ist. Thatsache einer offenen Proclamirung des „Rechts
meine Se
Das Stück wurde gestern auch hier gegeben. Der des Mitgenießens“ gelegen ist. Die Reelamirung
Er hat b
hier erzielte Erfolg aber war nicht bedeutend, und dieses „Rechtes“ ist ja allgemein in unserer Zeit.
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was nach dieser Seite hin erreicht wurde, hatte, wie Nur in der Form des Anspruchs besteht einige — fortgehen
schon in unserem heute früh abgedruckten Vorbericht meist durch die örtlichen Verhältnisse bedingte — Andere
Max Karfunkel's Nachrichten-Bürball „K mitgetheilt worden ist, einen erheblichen Curiositäts= Verschiedenheit. Hier sehen wir nun die „Liebelei“ Du das?“
Ausstellung, grosse Rotunde. Eige geschmack. Es fehlte durchaus der Einschlag, die als eine Unterart dieser Forderung ausgespielt,
So ja
Berlin
Handhabe, um dem Publikum den ethischen Grund¬
N. 37, Saarbrückerstr. 5. Telepht
wobei am charakteristischsten, daß nicht die, schließlich getroffente
gedanken des Stückes geläufig zu machen. Die Frage:
noch durch die Kritiklosigkeit ihrer Jahre einigermaßen tödten.
P
London. New-Vork.
„Liebelei“ — wao das? war auch am Schlusse des
entschuldigte Jugend diese Forderung erhebt, son= Hände un
Stückes nicht weiter gediehen, als sie es im Anfange
(Liest alle Zeitungen der Welt und liefert a
nichts zu
dern daß das bedächtige Alter es ist, das die diese For¬
gewesen.
Ausschnitte über jeden Gegenstand
derung vertritt. Das ist ein Sympton, das nicht der
Hier ab
Dichter erfunden hat, sondern das in der Zeit lebt.
Wer es aber über sich vermocht, sich von dem
halten den
Standpunkte der leidigen Anpassung, des Unter. Bebels „Recht der Frau“ geht nicht weiter in der
lösen, er
Sache
Auchens, wie weit die hier geschilderten auf die be¬
wohl, du
Kannten heimischen Verhältnisse in Anwendung
Der erste Aci des Schnitzler'schen Stückes, macht Handlung
Fkommen können, abzusondern, für den gewann das
uns zu Zeugen einer kleinen vergnügten Abendgesell¬ verbunden
das muß
Stück des Wiener Autors ein starkes sittengeschicht= schaft zu Vieren im Hause des Studenten Fritz. Fritz
iches Interesse: Es ist in
diesem Stücke etwas und Chrisine, Theodor unb Mizi — so gruppiren echten Lie
ebendig von dem, an dem
Pflichtgesth
Bestehenden rütteln= sich die Paare. Man lacht, tanzt, ist ausgelassen,
iden Geiste der Zeit,
und Recht
wofür uns eine da schellt die Glocke. Drei verschwinden in einem
Neußerung eines der Betheiligten in diesem
Nebenzimmer, der Vierte, Fritz, erhält Besuch. einigt.“ A
Stücke überaus bezeichnend dünkt, eines alten Es ist der Gatte einer Frau, mit der Fritz „Recht de
Geigers, dessen Tochter eines der beiden jungen Mädchen
zur selben Zeit, da er mit Christine „ge=er solche M
Thalia=Theater.
ist, von deren kleinen Herzensfreuden und ungleich liebelt“, ein ernsteres Liebesverhältniß unterhalten. legen. D#
dem was
größeren Leiden das Stück erzählt. Eine gefällige Ein Duell ist unvermeidlich. Der durch diesen
„Liebelei“.
zum Anwa
Nechbarin gemahnt diesen alten Geiger, ein wach= Ausblick beschworene und nun in die Stimmung
sameres Auge auf seine Tochter zu haben und spinnt voll Lust hereinfallende Todesschatten — das ist
Wie das
„Mebelei“ — was ist das, was kann das sein?
ihre Ermahnungen zu einer Jeremiade über die eine geschickt benutzte, wirksame Gegenüberstellung,
hiesigen P#
Eine Minderart Liebe, ein Ansatz, aus dem heraus heutige Jugend im Allgemeinen aus, die baar sei,
und damit schließt der erste Act. Der zweite Act
stellung u
diese sich erst entwickelt, etwa wie die Blüthe aus alles sittlichen Ernstes. Der alte Geiger aber denkt
spielt im Vaterhause Christines, in der Atmosphäre derer,
bald stärken
dem Keim, oder ist es das Abendsonnengold der über das Recht der Jugend auf den ihm zustehenden
die Anspruch erheben auf das „Recht des Mitgenießens“. und verlie
schon wieder im Absterben begriffenen Liebe? Die dem Antheil am Leben anders u. z. moderner. Er hat Christine ist zu ihrem Unglück empfindsamer als mit einer
Wahren zunächst kommende Antwort könnte viel= eine Schwester gehabt, die als bejahrte Jungser ge= ihre Gefährtin Mizi. Sie will nicht nur mit-, sie goldigen L#
leicht lauten: Lieb=leiist Liebe und sie ist es nicht, storben ist, nachdem sie sich ganz für ihn geopfert. will allein genießen, und die Furcht, daß sie schon Wiener
Sie borgt nur das Kleid der Liebe, ohne die Fähig= ohne vom Leben etwas zu genießen. „O, ich jetzt nicht mehr allein ist in dem Besitze des Geliebten, Daß bei 6#