II, Theaterstücke 19, Der Ruf des Lebens. Schauspiel in drei Akten (Vatermörderin), Seite 520

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II
des Lebens
19. Der Kuf

Thema von der Süße des Lebens und von der Bitter= ein stiller, treuer Brakenburg, Herr Hofbauer als
stelenkundiger Arzt und Fr. Godeck als mütterliche
keit des Todes. Wie in dee stärksten seiner Romane, im
Wulderin zeigten klare sichere Form. Herrn Otto liegt
Der Ruf des Lebens.
„Serben“, schreit hier Sehnsucht auf, die Seinsucht nach
der elegische Don der Seufzer wenig; Frau Imle
dem Verweilen auf der freundsich-sonnigen Erde. Man¬
Artu==Schnitzler. — Aufführung im
ist voll süßer Melodie. Das Leichtseitige, Sprühende,
Schallpn
cher echt menschliche Zug, aber schade, daß alles, was
das Reale und Realistische des Lebensdranges der Kurz¬
auftritt, neben aller Menschlichkeit so ausdringlich eine
nitzder mit grellem Theatergeräl in den
lebigen tritt hinter Klang und Wohllaut und ätherischer
„Rolle“ in der Hand hält und statt der gedämpsten,
wenn er all den Theatralikern seit Birch¬
Symbolik aber etwas zu stark zurück. Herr Olden als
leisen Sprache Schnitzlers der Theaterschrei allzu oft
en wollte: Das kann ich auch. So viel
Oberst war diesmal ohne unangebrachte Nonchalance
aufgellt. Der letzte Akt zeigt nach aller Kolportage¬
keinem andern Schnitzler. Ein altöster¬
kalt und hart wie Eisen. Herr Orell als Spielleiter
romantik und Theaterei ein sanftes Abströmen der
fassierregiment wird in den sicheren Tod
kleibeie das Stück Altösterreicherkum vor 66 sehr charak¬
Handlung in Unhandlung, Symbolik und Senlimen¬
die Schmach zu fühnen, die es einmal
teristisch ein. Nicht gelungen war nur die Ruhe und
tulität.
en kud. Letzte Nacht vor dem Ausmarsch.
der ansdringliche Aufenthalt der spielenden Kinder in
Für die Darsteller ist vieles dankbar und sie griffen
der den Besuch der Oberstin empfängt,
der ketzten Szene. Das muß entweder vorüberschweben
auch tüchlig zu und horchten auf den „Ruf des Lebens“,
iebte ist. Rächersilhouette des Obersten
oder wenn es bleibt, so weit im fernen Hintergrund
der hier über Krankheit und Krieg vielstimmig und
chuß und Tod der treulosen Frau. In
sein, daß die Stummheit der spieleuden Kinder (Jugend
für jede Gestalt anders erklingt. Fr. Weiser gibt
ht genießt der Leutnant noch (so von
lärmt und schwatzt doch!) nicht auffällt. Das Publikum
gleich in den ersten Gesten und Worsen der Ge¬
) die Lebe eines reinen Mädchens, das
gab nach dem ersten Akt ein voll rauschendes, einhelliges
drücktheit und Verbitterung der pflegenden Tochter ein
tt ihres sich wild aus Leben klammern¬
„Bravo“, nach dem zweiten ein zögerndes und nach
ganzes Schicksal, Ihr und Herrn Pindo, der den
erkümmerte, bis sie dem von rohestem
dem dritten schwieg es sich minutenlang aus Schnitzler
bösartigen, jugendneidigen Patienten ausgezeichnet gab,
s Erfüllten Eist ins Glas gießt, um
hätte als Zeuge dieser Verlegenheitspaue gewiß noch
war der überaus starke Erfolg des ersten Aktes zu dan¬
ashize L##e zu umarmen. Nicht genug
schnell etwas hinzugeschrieben, denn diese Stille nach
ken. Die Erzählung von der Massenpanik der flüch¬
Gistmord wid die Handlung auch durch
so viel Plage war peinlich. Nach einiger Zeit erst er¬
tenden Schwadron flackerte in dem atemlosen Auf¬
stand „ausgefüllt“: Der Alte, der von der
innerte man sich, daß man die Darsieller so nicht ver##
schreien des lebenshungrigen Kranken unheimlich auf.
marterten Tochter stiebt, hat einst als
abschieden darf und es wurde geslatscht und Gewissen¬
Das stumme Spiek, mit dem Fr. Weiser diese Er¬
e Schmach jenes Regiments verursacht,
hafte zählten noch ein dreizehnmaliges Hochgehen des
zählung des Vaters begleitet, war so plastisch, daß
jetzt vor dem schuldigen, achtzigjähri¬
Vorhanges. Es war also, wenn es ein Durchfall tar,
man Worte zu hören meinte. Herr Andersen glüht
das Leben lassen muß. Also unausgesetzt
ein Durchsall mit Beifall. Dr. Alfrad Möllgr.
als Leu nani von So datenseuer, Fri. Dürr als die das
dlung und dazwischen ein e was kümmer¬
r.—
n echter Schnitzher: das echt wienerische] Leben preisende, todesmutige Frau, Herr Kainz als