II, Theaterstücke 9, (Der grüne Kakadu. Drei Einakter, 2), Die Gefährtin. Schauspiel in einem Akt (Der Wittwer), Seite 24

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9.2. Die Gefachsean
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zuliebe für Nikolaus Bartha Partei nahm, da er sonst erachtet werden müssen, besonders da der Czarlgeliefert, sowie für Dienste, die sie Frakreich ge¬
nicht stets auf Kossuth geschimpft hätte. Was aber lfrühestens in den ersten Tagen des September zum leistet, schulde.
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Einakter, sagte ich, der Arthur Schnitzler in Finanzier mit seiner Geliebten in der Equipagesarbeitsscheuen sowohl wie die arbeitsfretigen.
Paris einführen soll; daher nur so etwas wie ein
fährt, und auf dem andern derselbe Herr, nachdem
voller Tugend stecken und nur eine einzige Thorheit
„Lever de rideau“. Dennoch wird diese Kleinigkeit
er zugrunde gegangen, als „'Chand d’Habits“ begehen: erstere, sich einem Manne hinzugeben, blos
das Publikum mehr interessiren, als die „Liebelei“
(Handlé) einhertrottet, der Karrosse begegnend, in
um sich ernähren zu lassen; letztere, zu — heirathen!
es zu thun vermocht hätte. An Liebeleien leidet man
der die Cocotte nun mit einem Andern fährt, Pa¬
Denn was bekommt eine gut bezahlte Ladenmamsell
ja in Paris keinen Mangel, weder im Leben, noch
riser Ursprungs sind, von weiland Henry Schlesinger oder viel verdienende geschickte Schneiderin für einen
auf der Bühne. Aber an dem Einakter ist der Titel
gemalt, der sich bei einem Grand Prix der Sechziger= Gatten, da sie doch nur einen hübschen oder präsen?
so ansprechend! Die Gefährtin“, „La compagne“.
Jahre die Inspiration dazu holte. Heutigen Tags ist tablen aussuchen wird? Irgend einen Taugenichts,
Ich wette, daß Antoine vom Titel gepackt wurde.
es die Cocotte, die sich Equipagen hält und sie wohl
den sie füttern muß und der sie zum Dank dafür
„La compagne!“ Jeder Parisien hat eine Compagne,
niemals preisgeben muß, wenn sie es einmal so
schlecht behandelt, oder wenn er wirklich sehr un¬
zuweilen sogar deren zwei, weil das Wort nicht nur
weit gebracht hat. Sie ist aber nicht die eigentliche
widerstehlich ist, ohne jede Scheu mit lasterhaften
„Gefährtin“, „Genossin“, „Freundin“, sondern
Compagne“.
Weibern betrügt. Die tüchtigen Männer in Paris
auch — „Gattin“ bedeutet. Wie sollte es nicht
Unter dieser Bezeichnung versteht man jene heirathen nicht so bald, sie nehmen lieber eine
allgemein interessiren, was der Wiener Autor darun¬
„Compagne“; und wenn sie später eine ihrer Fähig¬
Art der „Petites femmes“, die Treue zu halten
ter versteht, und wie die „Sache“ dort aufge¬
keiten würdige reiche Heirath schließen, dann erst
verstehen, besser als manche ehrsame Ehefrau. Ehe¬
faßt wird?
recht. Ihre respektiven Gattinen geniren sich
bruchskomödien bietet die französische Bühne so viele,
In Paris ist die „Compagne“ von fabelhafter
meistens ebenfalls nicht; aber die „Compagne“ ist,
ja fast keine anderen, und selten nur ein solches
Mannigfaltigkeit. Es würde viel zu weit führen,
vom Grundfehler abgesehen, ein anhängliches Geschöpf,
Stück, wo eine „Compagne“ den Genossen hinter¬
wollten wir uns im Allgemeinen über die Pariser
geht; weil das in der That zu den Ausnahmen ge= das man nicht so rundweg verachten sollte und in
Maitressenwirthschaft verbreiten, die aus dem Kaiser¬
hört. Die Ursache hievon liegt auf der Hand. Bei Paris auch gar nicht verachtet.
palast, als es noch einen solchen gab, sich bis in die
dem überwiegenden Theile mangelhaft erzogener
Was der Pariserin an der Befähigung zur
Mansarden der krüppelbastesten Bettler verzweigte.
Pariser Mädchen ist der Hang zum Wohlleben aus¬
„tüchtigen Hausfrau“ abgeht, ersetzt sie reichlich als
Wir können jedoch die modernste Spezies heraus¬
geprägt; angefacht und geschürt von dem großen Haus= Repräsentantin“ und „Compagne“; letzteres
greifen, zumal bei einer derartigen Auffassung des
Luxus, den die Weltstadt sehen läßt. Aussichten Wort so genommen, daß es „auch“ Gattin bedeutet.
Wortes, daß „Gefährtin“ nicht blos von „Gefahr“,
dagegen auf eine Heirath bieten sich nicht; höchstens
Ihr Assimilationsvermögen ist bedeutend. Nicht allein
dem gemeinsamen Tragen guter und böser Tage,
mit einem widerlichen Alten. Da denkt so ein hüb¬
ihre vortreffliche Eignung zur Rad= und Automobil¬
sondern auch von „Gefährt“ abstammt . .. Die „Ge¬
sches und sonst haltloses Kind: „Ich bin keine Ome¬
fahrerin. Ist der Gatte oder der „Freund“ ein
fährtin“ auf dem Juckerzeugel, dem Bicyele=Tandem, lette; ich bin ein Weib!“ Und schließt sich als
passionirter Jäger, so wird sie auch darin es ihm
der Automobil=Voituretie; das ist „chie“! Auch da
„Compagne“ einem feschen Manne an, der zu leben bald gleichthun können; ist er Angler, dito, und
könnten wir zurückgreifen bis aufs Kaiserreich, der und die hiezu nöthigen Mittel für Beide zu er¬
mit noch größerer Geduld; ist er ein Bücherwurm.
Zeit der ersten „Gummiradler“. Doch nur flüchtig sei schwingen versteht. Auf diese Weise kann man
so wird sie mit ihm ganze Stunden vor den
erwähnt, daß jene auch bei uns bekannten Kupferstiche, also kühn behaupten, daß sämmtliche von
Antiquarkästen am Quai der Seine verbringen
zwei Gegenstücke, wo auf dem einen der reiche armen Eltern stammenden Pariser Mädchen, die und ihm auch darin Genossin und Helferin werden
Alles mit Grazie! Vor Auen¬
lol= ich mir
die „mobilen“ Narretheien de Fariser Paare. Von
den charmanten Radleri##, will ich nicht mehr
reden, weil ich diese als literarisch bereits abgethan
betrachte. Aber die Automobilistin! Welch herrlicher
neuer Typus. Ist die Radlerin so putzig, so ist die
Automobilistin dafür unendlich majestätisch. Nichts
gleicht ihrer Schönheit und olympischen Ruhe. Unter
dem Staubmantel bergen sich die verführerischesten
Sommertoiletten, und unter den mit Augenlöchern
versehenen Spezial= eiern, Larven, mit denen zu¬
meist auch das Haar umwunden wird, solche
„Lärvchen“, die den Beschauer verrückt machen
müssen. Was wundert man sich also, wenn Auto¬
mobilbesitzer, die solche Gesellschaft haben, wie toll
drein fahren! Und dozil ist die Automobilisten¬
Compagne.
Wird der „Kraftwagen“ in Ruhe gestellt oder
nach kurzer Rast in einem Café die Maschinerie
wieder in Thätigkeit gesetzt, so reicht die Compagne
den Schlüssel, jene Kurbel, an der der Wagenlenker
ein paar wüthende Schwingungen vollbringen muß,
um den abgestellten, noch immer verbesserungsbedürfti¬
gen Apparat wieder zu erwecken. Sie spricht von der
„Essenz“ verständig, als handelte es sich um Eaus
de Cologne. Ich begegnete einer anscheinend wunder¬
schönen Automobil=Compagne, die auf der anderen
Wange eine furchtbare, gewiß von einem Zusammen
stoß herrührende Narbe trug und trotz dieser ewigen
Entstellung nicht verzweifelt war. So ist die „Ge¬
fährtin“.
Paris, 13. Juli.
Joseph Siklösn.