II, Theaterstücke 9, (Der grüne Kakadu. Drei Einakter, 2), Die Gefährtin. Schauspiel in einem Akt (Der Wittwer), Seite 25

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aehrtin
Lie Gerahunn
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der deutsche Rundfunk
Liebe dieser Frau — seiner Geliebten geschrieben hatte und
er aber soeben einen Abschiedsbrief bekommen hat. Der
sie durch diesen Brief getötet hat. Robert weist ihm die
Haushofmeister des Herzogs möchte gern seiner Herrin seinen
Tür; nun erst weiß er, wie fern von ihm diese Frau gelebt
Neffen Bolko andrehen, der aber in einer ulkigen Verwechs¬
hatte. — „Der grüne Kakadu“ ist der Name einer Pariser
lungsszene mit Helma, der Freundin der Herzogin, zusam¬
— im Jahre der großen Revolution —
Wirtsstube, in der sich
menstößt. Als Hans die Herzogin erblickt, hält er sie für
treffen und aus dem Stegreif über
oft einige Schauspieler
Marietta und stürzt ihr zu Füßen. Er stammelt Entschuldi¬
irgend ein Thema ein Theaterstück improvisieren. Henry,
gungen, wird in Gnaden aufgenommen und darf die Herzogin
der bedeutendste der S hauspieler, hat
auf die Jagd begleiten. Doch bald
sich mit Léocadic verheiratet, die für
kehren sie zurück, die Herzogin ist
ihren losen Lebenswandel bekannt ist.
gestürzt und Hans hat sie aufgefangen.
Er gibt das Thema eines Dramas, in¬
Zum Entzücken der Herzogin erklärt
dem er erzählt, er habe soeben seine
ihr Hans seine Liebe, Sie beschließt
Frau mit ihrem Geliebten, dem Herzog
aber, sich als Marietta zu verkleiden
von Cadignau überrascht und den Her¬
und läßt durch den Zigeuner Cimbo¬
zog getötet. Er spielt so natürlich,
letto Hans zu einem letzten Stelldich¬
daß alle glauben, es sei Wahrheit.
ein mit der Zigeunerin bitten. In dem
SA
Darauf erkennt Henry, daß tatsächlich
Zelt erwartet sie dann als Marietta
zwischen seiner Frau und dem Herzog
den junker. Er kommt, und sie stellt
ein Verhältnis besteht, und als der Her¬
ihn auf die Probe, indem sie alle Ver¬
zeg hinzukommt, tötet er ihn. W
führungskünste spielen läßt. Er ge¬
stcht, daß er die Herzogin liebt. Als
er sie schließlich im Taumel von Wein
und Tanz an sich reißt, verschwindet
Vorträge
sie und kehrt als Herzogin wieder, um
den Freund zu demütigen. Im 3. Akt
im Berliner R.ndsunk
finden sich dann nach manchen Wir¬
rungen beide Paare.
Den Hörern ist die besondere Auf¬
Die beiden Zyklen, die Alfred Braun
merksamkeit, die in den letzten Wochen
zu Beginn der Saison angefangen hatte,
arbeitsrechtlichen Fragen zugewendet
werden nach längerer Unterbrechung
wird, sicherlich willkommen, so unter¬
fortgesetzt. Der dritte Abend des Zyklus
schiedlich sie von den einzelnen auch
„Das deutsche Lustspiel bis
behandelt werden. Es gibt wohl nur
Lessing“ feiert den 350. Todestag
wenige, die der Darstellung von Prof.
von Hans Sachs, dem großen Nürn¬
Laß in seinem Zyklus über die so¬
berger Volksdichter des 16. Jahrhun¬
ziale Gesetzgebung folgen können;
derts, der die Dichtung aus der muffi¬
denn neben seine Lehrmethode ge¬
gen Luft der Meistersingerzunft in die
ein
halte.,
Sphäre der freien Kunst
Fachkom¬
juristischer
erhob. Drei seiner Fast¬
mentar oder das alte
nachtsspiele kommen zur
Lehrbuch von Philippo¬
Aufführung. Das erste
vich immer noch als le¬
zeigt uns einen fahren¬
bendige, anregende Lek¬
den Studenten, der einer
türe. Bei derartigen Vor¬
Bäuerin erzählt, er käme
trägen muß doch eine
aus Paris. Sie versteht
geistige Brücke geschia¬
aber Paradies und gibt
gen werden zwischen dem
ihm einen ganzen Hau¬
Sprecher und seinen un¬
fen guter Sachen, die er
sichtbaren Hörern, wie es
ihrem verstorbenen Mann
Sanitätsrat Frank
bringen soll. Ihr zweiter
mit dem frischen Ton
Mann erkennt dann den
seiner sedizinisch-hygie¬
Betrug und setzt dem
nischen Flaudereien ver¬
Studenten nach, wird von
steht, in denen er eben¬
dem noch selbst um sein
falls über die rechtliche
Pferd geprellt. Im zwei¬
Lage bei Betriebsunfällen
ten erleben wir einen
sprach. Weitaus am klar¬
heftigen Ehestreit; der
sten und dem Zweck
eigensinnigen Frau wird
entsprechend gestaltete
tüchtig der Kopf zurecht¬
wieder Fritz Schrö¬
gesetzt. Im dritten schlie߬
der als Vorstandsmit¬
lich entbrennt zwischen
glied des Zentralverban¬
zwei benachbarten Fa¬

des der Angestelllen seine
milien ein Streit um einen
Zum Arthur-Schnitzler-Abenu
Ausführtingen, in denen
Hahn, der von der einen
des Zyklus „ Das Drama der letzten 30 Jahie“ am 22. Januar im Berliner Rundfunk
er die Bestrebungen zur
zur Fastnacht als Braten
Oben: Bild aus „Die Gefährtin“. Unten: Szene aus „Der grüne Kakadu“
Vereinheitlichung
des
verzehrt worden war.
Der vierte Abend des Zyklus „Das Dramaderletz¬
deutschen Arbeitsrechtes und den Kampf um ein geordnetes
Arbeitsgericht schilderte.
#ten 30 Jahre“ ist Arthur Schnitzler gewidmet, dem
Ernstere Schwierigkeiten scheinen immer noch die philo¬
1862 geborenen Wiener Dichter, dessen traurig graziöse Werke
fast stets den weichlichen Menschen der Donaustadt be¬
sophischen Grenzgebiete zu bereiten. Es ist an sich ein
handeln. Die drei Einakter, von denen wir die beiden letzten
durchaus zu beachtender Gedanke, die Literarische
Stunde in Dialogform abzuhalten. Die Idee des Interviews
hören werden, zeichnen sich besonders durch ihr fein abge¬
vor dem Mikrophon ist eine von den Forderungen an den
töntes Kolorit aus. Das Schauspiel „Die Gefährtin“
Rundfunk, die in dieser Zeitschrift von jeher verfochten
spielt am Abend des Tages, an welchem die junge Frau
wurde. Sie ist jedoch sinnlos, wenn wie dieses Mal ein Vor¬
des Professors Robert Pilgram gestorben ist. Robert ist von
trag willkürlich und ohne die geringste Notwendigkeit in
einer beinahe heiteren Gefaßtheit; er gestcht Olga, der Freun¬
Wechselregen zerrissen wird. Unerfindlich ist es auch, wes¬
din seiner Frau, er habe seit langem bemerkt, wie seine
halb der Rundfunk gleichgüllige Parteipolemiken zuläßt wie
Frau ihm, dem um 20 Jahre älteren, allmählich entglitt. Da
die des des Sexuologen Albert Moll gegen den Okkul¬
kommt Alfred, der Geliebte der Verstorbenen. Im Laufe des
Gesprächs stellt sich heraus, daß Alfred sich vor einiger Zeit tismus. Wie man zu einem Für und Wider auch Stellung
verlobt hat, daß er das — ahnungslos über den Grad der nehmen will — wer über die Sensation des Augenblicks hin¬