V, Textsammlungen 18, Die kleine Komödie, Seite 4

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18. Die kleine Konoedie
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.—.. nicht zuletzt auf die Wellwittschftsnonserenz heivorgehoden
Maros.
werden.
französische
„Wir wollen keinen neuen Krieg!“
Im zweiten Teil soll das gesamte Problem
Pris, 1. Dezember. (T.
[der Kriegsschulden aufgerollt werden.
„Das Werk.“ Von Gerty Kelemen.
präsideten Herriot wurd
debalte in der Kamm
Wie halbamtlich betont wird, legt man
„Aus meinem orientalischen Skizzen¬
in Regierungskreisen Wert auf die Fest¬
buch.“ Von Alymée Hanum.
Ahnungslosigkeit, blinder Pars
konnte zwischen Echt und Unecht keinen Unterschied finden.
schmunzeln sie, nachsichtig oder spöttisch, über seine literarischen
der Kunst. Die moralisierende
Von den Architekten der Stadterweiterungsepisode wurden
Bestrebungen. Im Kreis der Familie sieht er besorgte, ängst¬
sprüche erkühnte, schnitt mit
Antike, Gotik, Renaissance als Stilvorbilder gebraucht. In
liche Mienen, hört liebevolle Ermahnungen. Er nimmt das
der Literatur bewunderte man Georg Ebers, Julius Wolf,
Menschentum, in seinen ehrfürch
geduldig hin, trägt auch die mißbilligende Schärfe des Vaters
Friedrich Halm. Ein Echo dieser Zeit hörte ich jetzt noch in
sinn, wie etwa sein musikalisch
geduldig. Aber der Zustand ist keineswegs angenehm. Adolf
gelitten hätte.
mittleren Provinzstädten Amerikas, wo sich schöngeistige
Sonnenthal, dem Hause des Professors Schnitzler eng be¬
Zirkel vor Ehers und Halm als vor den höchsten Gipfeln
In vielen Novellen, die
freundet, stützt die Opposition gegen Arthurs Schriftstellerei,
deutscher Poesie anbetend verbeugen. Das beweist die Dauer¬
bringt, sterben die Hauptperso#
spricht mit dem seither hinlänglich populär gewordenen Brief
kraft jener billigen goldschnittumschimmerten Flachheiten, die
die durch ihren Hingang das
ein geradezu vernichtendes Urteil: „Gar kein Talent!“
übrigens durch den Kitschgeschmack des Films Unterstützung
Grund auf verwandeln. In fa
Später bekehrt sich Sounenthal herzlich zu Arthur Schnitzler,
erhalten. Emile Zola, der Homer seines Zeitalters, galt für
ausgenommen, ist vom Tod
spielt in „Liebelei“ den alten Weyring. Doch der Vater
einen verdammenswerten Autor, der im Schmutz wühlt,
Schnitzlers gehört es, daß
Schnitzlers erlebt den Erfolg des Sohnes nicht mehr. Ein
Guy de Maupassant, der Meister kurzer Novellen, für einen
Handlungen, Vorfälle, Katas
jäher Tod rafft ihn hinweg, kurz vor der Premiere von
Erzähler schlüpfriger Geschichten. Tolstoi, Dostojewski wurden
die ihm später auf irgendeine
„Liebelei“
kaum gelesen. Henrik Ibsens Dramen wirkten wie Bomben¬
stoßen. Als habe seine ahnende
Bis dahin sind noch etliche Jahre zu durchmessen. Arthur
attentate. Lieber Himmel, wie hat man die Literaturrevolu¬
geahnt, als sei, wie unter eine
Schnitzler glänzt in der großbürgerlichen Wiener Gesellschaft,
tionäre beschimpft. Schnitzler gehört zu den jungen Dichtern,
ständig um dieses trauerbe
deren Frauen und Mädchen ihn verhätscheln, deren Männer
die den Verfolgungen am meisten ausgesetzt waren, gehört
schwebt. Auch wiederholt sich
ihn verhöhnen. Er geht dem ärztlichen Beruf nach, der ihn
auch zu den jungen Führern, die sich mit den Gegnern ganz
Schmerzlichkeit, daß Menschen
peinigt. Und er atmet befreit, wrenn er mit einem geliebten
ernsthaft auseinandersetzten. Es gab heftige Debatten, manch¬
seine besten Erfolge nicht erleb
Mädchen beisammen ist, oder wenn er musiziert, oder in
mal, bei denen aber Schnitzler stets Maß hielt, stets die
bevor „Liehelei“ aufgeführt i
anregendem Gespräch mit jungen Schriftstellern. Da schließt
Grenzen der Höflichkeit wahrte, obschon seine Antworten
erkennung emporsteigen läßt,
er sich auf. Da bricht der große Ernst, bricht die beschwingte
schlagfertig, ja oft genug, ihrem Inhalt nach, vernichtend
geliebtes Mädchen, ein paar Ta
Heiterkeit seines Wesens hervor. In der Redaktion der Zeit¬
waren. Polemisiert, in Artikeln oder sonst in öffentlichen
Preis ausgezeichnet wird. Sie
schrift „An der schönen blauen Donau“ sitzt Paul Goldmann
Erklärungen hat er allerdings kein einziges Mal. Heftig
ganz einfach, strahlend in Blon
und leistet der literarischen Revolution, die zum vollen
konnte er nur sein, wenn große Künstler die er verehrte,
in stillem, frohem, zärtlichem
Ausbruch gelangt ist, nach Kräften Vorschub. Als einer der
beschimpft wurden. Empfindlich gegen Angriffe, die ihm
mütigen Gesellschaft, in de
ersten erkennt er das Dichtertum Schnitzlers, versteht und
selbst und seinem Werk galten, war Arthur Schnitzler aller¬
Schnitzler verhöhnt und venröh
bewundert die funkelnden Geistesgaben dieses jungen
dings von Jugend an sein ganzes Leben hindurch. Aber
das Kind einer gutbürgerlichen,
Menschen. Merkwürdig erscheint heute diese ferne Zeit der
dieses Empfindlichsein entsprang keineswegs banaler Eitel¬
zweier Tage riß tückische Krank
Anfänge, die sich dem letzten Ausklingen einer Epigonen¬
keit. Im Gegenteil, es schien eigentlich seltsam, wie gar nicht
Bild blühender, scheinbar un
dichtung mengt, um sie bald gänzlich abzulösen. Merkwürdig
er selbst für sich oder mit dieser gekränkten persönlichen
ins Grab. Am Tag nach ihre
und fast erheiternd die Kämpfe, die gewissermaßen in der
Eitelkeit an diesem empfindlichen Zucken beteiligt war. Ihn
die Nachricht, man habe ihn
Morgendämmerung mit allem nächtlichen Spuk geführt
werdin mußten. Der herrschende Geschmack war verweichlicht, verletzte das Dreinreden offenkundigen Unverstandes, dreister gesprochen, und brach bei den er#